Tod eines Handlungsreisenden?
Seltsame Ausbildungsmethoden der Allianz sorgen für Wirbel
Anke Henrich
13.01.2010 4,4 (33) Legende
Die WirtschaftsWoche berichtete über die seltsamen Ausbildungsmethoden der Allianz. Das sorgt in der Branche für Wirbel.Mehr als 86 000 Mal riefen Online-User Thilo Bannaschs* Bericht über seine Ausbildung zum Allianz-Versicherungsfachmann auf wiwo.de ab, häufiger als jede andere Geschichte der vergangenen Wochen. Vom ersten Tag an sollte Bannasch – noch bar jeder Sachkenntnis – unter seinen Freunden Kunden akquirieren, mit psychologisch zweifelhaften Methoden zu Vertragsabschlüssen kommen. Rund 300 aufgebrachte Online-Kommentare erreichten die Redaktion. Die Vorwürfe des Diplom-Kaufmanns im WirtschaftsWoche-Heft 50/2009 trafen viele mitten ins Herz, mailt ein Mitarbeiter des Konzerns: „Wir erhalten seit Tagen wilde und aufgeregte E-Mails mit Gegendarstellungen seitens der Allianz-Ausbildungsakademie.“ Ein Kollege berichtet, sein Chef habe gleich Verhaltensweisen zum Artikel erteilt. Tenor: alles abstreiten.
Die Kommentare reichen von bösen Verbalausrutschern bis zu flammender Zustimmung. Besonnene Schreiber geben Denkanstöße, wo es im deutschen Versicherungsvertrieb klemmt. Ob Axa, Barmenia oder Debeka, viele Mitarbeiter anderer Anbieter beklagen ähnliche Methoden in ihrem Haus.
Erschreckend zu sehen, daß Methoden des Vertriebs, die bereits vor Jahrzehnten als anrüchig angeprangert wurden, wohl immer noch genügend (oder mehr?) Umsatz in die Kassen der Finanzindustrie spülen.
Liegt das nun an den ausgefeilten Vertriebsmethoden, der intensiveren psychologischen Schulung der Vertreter, der Unerfahrenheit der Kunden oder schlicht an der Angst vor Hartz IV – oder gar der “Vermittlungsleistung” der Arbeitsagenturen – die Vermittler von Finanzprodukten an den Rand des Rechtssystems (oder darüber hinaus) treibt?
Nur die Schwere des Kapitalverbrechens läßt dann noch eine moralische Unterscheidung zu – zwischen SS, Trawnikis *) und Kapos auf der einen Seite – und Vermittlern die unseriös arbeiten müssen – und ihren Auftraggebern …
–pag
*) Zwangsarbeitslager Trawniki
Im Ort Trawniki, im Landkreis Świdnicki etwa 40 km südöstlich von Lublin, hatte die deutsche Totenkopf-SS im Herbst 1941 auf dem Gelände einer alten Zuckerfabrik mit Bahnanschluss ein Zwangsarbeitslager und ein SS-Ausbildungslager für „Freiwillige“ eingerichtet. Die dort ausgebildeten Hilfskräfte für die KZ-Wachmannschaften wurden zur Durchführung des Völkermords eingesetzt und häufig als „Trawniki-Männer“ bezeichnet oder kurz „die Trawniki“ genannt. Es waren vor allem Ukrainer, aber auch Letten, Esten, Litauer, Polen und Volksdeutsche aus der Sowjetunion


